Für Leser, welche mit den verschiedenen Symphonien vertraut sind, mag es eine kleine Freude sein, sie hier wiederzuerkennen. Wem sie noch fremd sind, in dem mögen diese Zeilen den Wunsch erwecken, sie kennenzulernen.
1. Als das Jahr 1800 anbricht, hat Beethoven schon viel Musik geschrieben, aber nun folgt seine erste Symphonie. Zwar ist er noch jung, doch der Schüler von Haydn und Mozart ist bereits ein Meister.
Schon seine erste Symphonie traf alle wie ein Donnerschlag
Ob dieser Meister der Musik wohl Grösseres noch schaffen mag?
Melodie, Harmonie, Rhythmus, Schwung und Humor – all das findet sich hier!
2. Zwei Jahre später machen sich bei dem jungen Komponisten (32) die ersten Anzeichen von Taubheit bemerkbar. Dennoch lässt diese Symphonie keinerlei Spuren seiner Verzweiflung erkennen. Sie zeigt im Gegenteil, wie der Musiker sein Leiden in Freude und Triumph für seine künftigen Hörer umwandeln wird.
Über den Helden wie ein Fluch sich nach und nach die Taubheit senkt
Doch eisern ist der Wille, der ihn stets zu neuen Taten drängt.
3. Die dritte Symphonie tut ihrem volkstümlichen Namen, «Eroica», alle Ehre. Von Napoleon inspiriert, schildert sie das Leben und den Tod eines grossen Helden. Musikalisch läuten ihr Reichtum an Gefühlen und deren Kraft eine neue Sprache ein, ein neues Zeitalter der Musik, wo der Mensch fortan im Zentrum steht.
Mit festem Schritt marschiert der Heros in den Krieg
Und fällt sein Leib, erringt sein Geist dennoch den Sieg.
4. Die “Eroica” von 1803 beflügelte den nun voll gereiften Beethoven zur Schaffung einer Reihe populärer Meisterwerke. Die vierte Symphonie aus dem Jahre 1806 ist eines davon: reich, bunt, tief, voll von Gedanken und Schönheit und doch von einer Disziplin, welche ihre volle Wucht versichert.
Jetzt führt ein schmaler Pfad ihn in ein unbekanntes Land
Doch Ordnung schafft der Held sogleich auch hier mit starker Hand.
5. “Beethovens Fünfte” ist die berühmteste aller neun Symphonien, weil sie den tiefen Kampf in der Seele ihres Schöpfers, der mit seinem Geschick ringt, am dramatischsten veranschaulicht. Hier betritt der moderne Mensch des Jahres 1807 mit einem Paukenschlag die Bühne und kämpft, sein Schicksal in menschlichen Triumph umzuwandeln.
Von Stürmen wird das Universum nun durchwittert
In der Ordnung und Chaos ringen um den Sieg erbittert.
6. Beethoven liebte das Land, wo er in der Schönheit und Grösse Gottes schwelgte. Diese Liebe inspirierte alle fünf Sätze der wundervollen «Pastoralen» Symphonie von 1808. Die Ruhe, die sie ausstrahlt, steht in bemerkenswertem Kontrast zu der Spannung der kurz zuvor entstandenen fünften Symphonie.
Durch grüne Auen murmelnd sich ein Bächlein windet
Nach einem kurzen Sturm die Welt im Traum entschwindet.
7. Die 1812 uraufgeführte siebte Symphonie gehört ebenfalls den beliebtesten Werken des Meisters. Sie umfasst vier Sätze von olympischer Grösse, ist jedoch niemals abweisend kalt oder unmenschlich. Der wilde letzte Satz erinnert uns an Beethovens innere Kämpfe, zeugt aber dennoch von seiner strengen Disziplin und Selbstkontrolle.
Beschwingter Tanz und Klagelied zugleich
An edlen Klängen sind sie beide reich.
8. Die achte Symphonie wurde ebenfalls 1812 uraufgeführt. Auch sie mildert die Spannung, indem sie an die vorheroischen Symphonien und den Humor Haydns anknüpft, aber dennoch kann Beethoven dem Reichtum und der straffen Ordnung seines reifen Stils nicht entsagen. Der zweite Satz ist pure komische Oper.
Und steigt der Krieger vom Olymp zur Erde nieder
Ertönen gleich die alten, schönen Weisen wieder.
9. Die berühmte neunte Symphonie wird der “Choral” genannt, weil in ihrem letzten Satz ein Chor auftritt, dessen sich Beethoven bedient, um Schillers berühmte Ode an die Freude anzustimmen. Drei monumentale Sätze prägen dieses Werk, doch für Beethoven muss die Freude das letzte Wort haben.
Auch wenn am Firmament sich nochmals dunkle Wolken ballen
Aus hundert Kehlen wird zum Schluss ein Freudenchor erschallen.
Kyrie eleison.
Die Kultur weisser Männer hat in der Menschheit nicht ihresgleichen
Wir müssen sie bewahren, sie darf niemals den Zerstörern weichen!